GEWÄSSER-LEXIKON: R – Rhein. Und mittendrin die Loreley, Europas gefährlichste Wasserstraße.

Was wurde auf uns eingeredet in den letzten Monaten! Der Rhein. Ein riesiges Thema in unserer Vorbereitung und ein unaufhörlicher Sorgenpunkt.

Der Rhein erstreckt sich von seinem Quellgebiet in Graubünden, Schweiz, bis hin zur Nordsee in den Niederlanden. Mit seinen 1232 Kilometern Länge ist er Europas 7. längster Fluss. Die gefährlichste Stelle ist beim Binger Loch und in der Loreley. Hier passieren die meisten Schiffsunfälle auf dem Rhein. Erst 2011 wurde dort der letzte Schiffsbruch erlitten. Die Legende sagt über die Loreley, dass hier eine blonde Jungfrau auf den Felsen thront und die Schiffsfahrer durch ihren  Gesang in den Bann zieht und somit Ursache für die vielen Unfälle sei. Wiederum eine andere Sage berichtet davon, dass das Echo des Rauschens durch die engen Felswände Ursache für die vielen Unfälle sein soll.

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Für uns beginnt die Fahrt auf dem Rhein in Duisburg. Direkt hinter den Duisburger-Ruhrorter Häfen, dem größten Binnenhafen Europas, mündet der Weser-Ems-Kanal auf den Rhein. Im Regen passieren wir die letzte Schleuse und wagen den Versuch am Sonntagabend mit weniger Berufsschiffsfahrtsverkehr von der Mündung in den Rhein die  4 Kilometer bis zum Cityhafen Duisburg zu fahren. Unser Antrieb ist ein 10 PS-Außenbordmotor. Mit Schwimmwesten und ordentlich Respekt vor dem großen Fluss wagen wir es. Es ist ein überraschendes Erlebnis. Dachten wir im Vorfeld noch, dass wir unter Umständen gar nicht gegen die Fließgeschwindigkeit des Rheins anfahren könnten, stellten wir fest, dass wir zumindest nicht rückwärts gen Nordsee abtreiben sondern mit immerhin (!) 3,5 km/h uns minimal vorwärts bewegen konnten, wenngleich nahezu manövrierunfähig. Das Testmanöver erfolgreich absolviert, machen wir uns daran den zweiten Außenborder fit zu machen. Am nächsten Tag soll Test 2 mit zwei Außenbordern durchgeführt werden.

Währenddessen macht sich ein Teil der Crew auf die Suche nach Binnenkapitänen, die Lust und Zeit haben uns evtl. zu schleppen. Wir radeln bei 33 Grad und praller Sonne alles ab: Wasserschutzpolizei, Pegelhaus, Feuerwehr und einige Pötte. In der Seemanns-Kultkneipe „Zum Hübi“ treffen wir auf fachkundige Menschen. Aber Hoffnung macht uns niemand. „Die Zeiten hätten sich geändert. Das macht keiner mehr.“, so lauten die Prognosen für unser Vorhaben. Wir geben die Suche auf und lassen es auf einen Test ankommen. Carsten, Christoph, Felix und Christopher wagen den Ritt – und das mit großem Erfolg! Bis zu 8 km/h erreichen Sie gegen den Strom mit beiden Motoren. Wir beratschlagen uns und sind uns einig: so wird’s gemacht!

Am 29. Mai brechen wir früh mit der Esperantos auf. Tagesziel ist Köln. Die vier Jungs an Bord der Esperantos sind hochmotiviert und verlassen ohne Carlotta, Marius, Dorothea und Cathrin den Hafen. Reisegruppe Delfin ist die Sache einfach zu heiß…

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Und tatsächlich geht der Plan auf! Am Abend fährt die Esperantos mit eigener Motorleistung in das Herz von Köln ein! Wir können es alle kaum glauben…!


Ein Teil der Crew verlässt uns und am nächsten Morgen geht es im Kernteam weiter auf dem Rhein gen Süden. Unsere Rheinfahrt geht vom Niederrhein bei Duisburg durch den Mittelrhein über Koblenz bis zum Oberrhein nach Mainz-Kostheim. In Koblenz steigt der alte Seebär Hubertus dazu und hilft uns mit seiner Expertise durch das Nadelöhr, das Binger Loch und die Loreley. Bereits Heinrich Heine warnt die Schiffer vor den Tücken der Loreley:

Die Lorelei (Heinrich Heine)  

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Loreley

Ich weiss nicht, was soll es bedeuten,
Dass ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl, und es dunkelt,
Und ruhig fliesst der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar,
Ihr goldenes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schat nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Welllen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lorelei getan.

Und es gibt tatsächlich auch bei uns diesen Moment, der das Herz kurz erstarren lässt. Die schnellen Strömungen und engen Biegungen des Rheins sind ziemlich unvorhersehbar. Zweimal treten Wellen über das Deck und spülen bis in das Unterdeck. Aber tatsächlich scheint das Glück mit uns und wir kommen im Zeitplan und sicher voran. Die Angst schwindet und wir genießen das Panorama um uns herum. Die Landschaft ist atemberaubend: eine Vielzahl an Burgen thront auf märchenhaften Waldhängen, dazwischen Weinberge, verstecke Dörfer. Traumhaft.
Wir sind uns bewusst, dass der Rhein bei anderem Wasserstand auch anders sein kann. Dennoch, der Rhein ist einfach eine Reise wert!

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