GEWÄSSER-LEXIKON: M – Main. Von Höhen und Tiefen im Main – und immer wieder ist Schluss mitten im Fluss…

Von Höhen und Tiefen im Main – und immer wieder ist Schluss mit im Fluss…

Dieser Fluss! Nachdem wir fünf Jahre lang weitestgehend pannenlos (Ja, Jojo, du wirst das anders sehen. Ist aber so!) mit der Esperantos Erfahrungen auf der Spree, der Havel, der Oder, dem Mittellandkanal, der Ostsee und weiteren Gewässern gesammelt haben – jetzt das: Untiefen wohin das Auge reicht. Ob am Sportbootanleger, oder vor der Schleuse oder an der Spuntwand in Mainhatten, vorm Schloss in Aschaffenburg, am Anleger in Wörth am Main, … es scheint kein Ende zu nehmen.

Was hat es nur mit diesem Fluss auf sich? 527 Kilometer Main führen vorwiegend durch das fränkische Mittelgebirge, auch durch Baden und durch Südhessen, schlängeln sich durch die wunderschöne Weinlandschaft und beheimaten idyllisch traumhafte Orte. Geografisch ist der Main fast in der Mitte Europas gelegen. Viel genutzt wird er von Touristen für den Main-Wanderweg und den Main-Radweg.

Die Esperantos fährt in Mainz-Kostheim auf den Main und wird bis ihn zum Main-Donau-Kanal befahren. Kurz nach Mainz-Kostheim kommt die erste Panne. Direkt bei Rüsselsheim, am ehemaligen Wasserkraftwerk von Opel, geht das erste Crew-Mitglied über Bord. Also nicht ganz, aber die erste Verletzte muss gemeldet werden und zwar nicht verschuldet dadurch dass im Tavern’chen beim Hafenmeister die Schwerkraft siegt (glaubt man Urgestein Hübi aus Duisburg, gibt es derlei Kneipen für Seefahrer durch die engen Zeitpläne in der Binnenschifffahrt nicht mehr. Wirklich schade.), sondern es passierte einfach nur an Bord. Eine Platzwunde am Bein, Nasenbluten wie ein Monsoonregen. Zum Glück scheint es nicht mehr zu sein. Dennoch, unnötig… und wir stellen zusätzlich fest: nicht mal der Wassermessung hat das stillgelegte Kraftwerk Erkenntnisse gebracht. Also, nichts wie weg hier.

In Frankfurt setzen wir so oft auf, wie es uns in der gesamten Fahrzeit des Katamarans noch nie passiert ist. Ob am Sportbootanleger oder am Mainufer, es scheint der Wurm drin zu sein. Unser 1-Meter-Tiefgang ist offensichtlich nichts für das Gewässer. Da scheint logisch, warum uns so wenig andere Sportboote begegnen… by the way, ein Mann-über-Bord-Manöver gibt es auch noch Gratis dazu, denn ein Crew-Mitglied fällt auf dem Weg ans Heck  rücklings über Bord in den stillgelegten Mainarm. Wenn schon, denn schon.. das laute Geschnatter der Nilgänse, unvergesslich.

„Da wandelt er mit heitrem Sinn / In sanften Windungen dahin“ – schrieb Hoffmann von Fallersleben über den Main.

In diesem Sinne die angenehme Fahrt durch das herrliche Panorama des Maintals weiter. Doch, schwupp-di-wupp, sitzt die Esperantos in Aschaffenburg vorm Schloss im Schlamm fest. Eigentlich hatte die zuständige Person vom Schifffahrtsamt (den wir aus der Schleuse Hohenwarthe bei Magdeburg bereits kennen und sehr schätzen) – unser Boot kennend – netterweise einen top Spot mit Blick aufs Schloss für uns reserviert… da schaffen wir es nicht hin. Wir sitzen im Schlick fest. Rettender Engel ist der Sportbootführer Fabian aus Aschaffenburg, der uns auf Facebook verfolgt. Er zieht uns am nächsten Morgen in aller Frühe aus dem Schlick. Das wiederum ist echt hammer: unser erstes Abschleppmanöver! Die Aussicht auf die Burg dabei – geil!

Die Merkwürdigkeiten mit dem Fluss finden ihre Fortsetzung in Wörth am Main. Am Morgen nach unserem Konzert stehen die Frühaufsteher der Crew, Carsten und Dorothea, noch grinsend vor den „neuerdings“ offenen Schranktüren in der Kombüse. Beim Schritt an Deck mit dem Kaffee in der Hand erkaltet das Grinsen schlagartig. Über Nacht ist der Pegel vom Main so stark gesunken, dass der sogenannte „Herren“-Rumpf der Esperantos auf einem Stein aufsitzt und das Boot unbeweglich ist. Nicht im ernst! Wir brauchen Gewichte. Kurzerhand werden Passanten hinten aufs Heck gestellt, somit eine leichte Schieflage erzeugt und das Boot vom Stein gewuchtet. Das ganze Unterfangen kostet viel Kraft, hat einige Tränen in die Augen getrieben aber letztlich geklappt. Der Was-wäre-wenn-Gedanke wird weg gedrückt. Carsten taucht unter den befreiten Rumpf und fühlt eine leichte Delle in der Glasfaser… da hatten wir wohl richtig Glück!

Ja, Würzburg. Und jetzt auch noch du, du schöne Stadt! Wir legen im Hafenbecken an und das erste Deutschland-Spiel der FIFA ist bereits im Gang. Nur das kann uns als Erklärung einleuchten, weshalb der nett winkende Kapitän des Touri-Dampfers erst Fotos von unserm Boot von der Kapitänsbrücke aus macht, fröhlich winkt, uns grüßt und im nächsten Moment den Herrenrumpf voll in die Seite rammt! Wieder der Herren-Rumpf, wieder Glück gehabt. Wie oft das noch gut gehen wird…

Den Main haben wir jetzt verlassen. Auf dem Main-Donau-Kanal werden nicht die Untiefen zu unserer Herausforderung werden. Wir sind gespannt, was dieses neue Gewässer für Erfahrungen mit sich bringen wird!

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